Aktuelles

Fugen-s (Teil I)

Juni 2016. Schwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache bereitet unter anderem die Deklination, die Veränderung von Substantiven infolge verschiedener Fälle, zum Beispiel der Schaden im Nominativ, des Schadens im Genitiv, die Schäden im Nominativ Plural. Verwirrend ist obendrein, dass sich in Texten sowohl Schadenersatz als auch Schadensersatz findet. Ist eines falsch? – Nein, beide Formen haben ihre Berechtigungen. Dies erklärt sich so: Für die Bildung von Komposita bestehen eine Reihe von Bildungsregeln, die ich in den Folgemonaten nach und nach besprechen werde. Abgesehen von diesen Regeln haben sich zudem Konventionen ausgebildet. In unserem Beispiel heißt es nach der Bildungsregel, dass substantivierte Infinitive (hier: das Schaden) als Erstglied ein Fugen-s erhalten, also Schadensersatz, wie auch Schlafenszeit. In deutschen Gesetzen steht sowohl Schadenersatz als auch Schadensersatz; in anderen Fällen haben Behörden das Fugen-s getilgt wie in Komposita mit -steuer: Einkommensteuer, Vermögensteuer etc. Auch hier sind die Formen mit Fugen-s möglich und üblich; mit oder ohne Fugen-s sollte innerhalb eines Textes / einer Publikation jedoch einheitlich verwendet werden.

Lektorat Oliver Krull

Schrägstriche (Teil 2)

Mai 2016. „Die Herren Dr. Herbert/Mainz, Wolfgang/Berlin, Peter nehmen an der Veranstaltung teil.“ Vorstehender Satz gibt nicht auf Anhieb preis, wer auf die Teilnehmerliste zu setzen ist. Deutlicher wird es, wenn auf die Kommata verzichtet wird und die Schrägstriche mit Leerzeichen gesetzt werden: Die Herren Dr. Herbert / Wolfgang Mainz / Peter Berlin nehmen an der Veranstaltung teil. Soll der Text formatiert werden, empfiehlt sich, das Leerzeichen vor dem Schrägstrich zu schützen, damit dieser nicht umgebrochen wird und dadurch am Anfang einer Zeile stehen würde. Generell lässt sich sagen – und in späteren Beiträgen werde ich auf weitere Verwendungsmöglichkeiten eingehen –, dass vor allem in Fließtexten sparsam mit Schrägstrichen umgegangen werden sollte. Außerdem kann oft besser ein Komma statt des Schrägstriches stehen oder ein „und“, denn nicht jede Beziehung ist eine Schrägstrichehe, ein bezeichnendes Wort aus den achtziger Jahren, als es noch nicht so alltäglich war, dass Paare zusammen wohnten, ohne verheiratet zu sein, und ihre Nachnamen auf dem Hausbriefkasten durch einen Schrägstrich voneinander abgegrenzt waren.

Lektorat Oliver Krull

Schrägstriche (Teil 1)

April 2016. Der Schrägstrich hat mehrere Aufgaben. Er steht beispielsweise im Sinne von „je“ bei Geschwindigkeitsangaben: Ihr Wagen kommt höchstens auf 120 km/h. Oft wird er zur Abgrenzung gebraucht: Der Modus Power/Sleep kann an diesem Gerät nicht geändert werden. Meist besteht Unklarheit darüber, ob und wann Leerzeichen beim Schrägstrich gesetzt werden. Die Faustregel: Werden nur zwei Wörter wie in den obigen Beispielen voneinander abgegrenzt, stehen keine Leerzeichen. Leerzeichen sollten aber stehen, wenn Wortgruppen durch Schrägstriche voneinander abgegrenzt werden; so sieht folgende Angabe nicht nur unschön aus: Kreis, Georg (Hrsg.)/von Arlettaz, Silvia et al.: Die Geschichte der Schweiz. Mit Leerzeichen wird auf Anhieb deutlich, dass es sich um zwei verschiedene Autoren handelt: Kreis, Georg (Hrsg.) / von Arlettaz, Silvia et al.: Die Geschichte der Schweiz. Dass das Fehlen von Leerzeichen auch zu Fehlinterpretationen führen kann, zeige ich im Mai-Beitrag.

Lektorat Oliver Krull

Arbeiten Verlagslektor(inn)en anders?

März 2016. Wenn ich gefragt werde, was ich beruflich mache, höre ich als Rückfrage auf meine Antwort oft: „Bei welchem Verlag?“ Als freiberuflicher Lektor arbeite ich auch für Verlage, aber eben nicht fest angestellt. Bei den Verlagen bin ich also viel weniger oder gar nicht in die Programmplanung eingebunden. Welche Unterschiede gibt es noch? Diese Frage beschäftigt auch Mitglieder meines Verbandes (VFLL, http://www.vfll.de/). Für den 16. März 2016 habe ich die Leitende Lektorin der Ullstein Verlage, Frau Silvie Horch (Bereich Sachbuch), ins Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße 23 eingeladen; die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr und ist öffentlich. Ich freue mich auf Ihr Interesse.

Lektorat Oliver Krull

Arbeitswerkzeuge

Februar 2016. Oft werde ich gefragt, mit welchen Werkzeugen ein Lektor arbeitet. Auch im digitalen Zeitalter ist der klassische Rotstift nicht ausgestorben, besonders wenn es darum geht, einen Text auch inhaltlich zu überarbeiten, und er zum Bearbeiten ausgedruckt wird. Sollte vom Verlag gar eine Druckfahnenkorrektur gewünscht sein, sind die standardisierten Korrekturzeichen üblich. Schnell wechselnde Gebrauchstexte wie Newsletter, Broschüren, Flyer etc. werden indes meist im PDF oder Word bearbeitet. Dieses kennt den Überarbeitungsmodus: Alle Änderungen werden kenntlich, und sie können tutti quanti übernommen werden. Im PDF lassen sich ebenfalls Korrekturzeichen anbringen; dies ist meiner Erfahrung nach jedoch wenig beliebt, weil die Zeichen oft schwer erkenn- und nachvollziehbar sind. Komfortabler sind Markierungen mit Notizen und/oder im redaktionellen Bereich auch der unmittelbare Eingriff in den Text. Und Wörterbücher fehlen natürlich nicht, ob analog oder digital, allen voran der gelbe Duden.

Lektorat Oliver Krull

Preisanpassungen

Januar 2016. Bevor ich von Zahlen spreche: „Anpassung“ hört sich immer milder an als „Erhöhung“ und wird oft in Rundschreiben städtischer Versorgungsbetriebe verwendet. Im Englischen sagt man dann gern: sugar-coated. Ich schreibe Anpassung, nicht weil ich etwas Unangenehmes versüßen möchte, sondern weil ich nach Jahren gleichgebliebener Preise an gestiegene Ausgaben insbesondere für Softwareaktualisierungen und Fortbildungen angleichen muss, um auch im neuen Jahr dem gewohnt hohen Anspruch an mein Lektorat nachzukommen.
Der Anstieg ist je nach Auftrag nur geringfügig; das Korrektorat beispielsweise für eine Normseite ab 4,00 statt bisher ab 3,00 Euro zu haben bzw. im Stundensatz für 28,00 statt 27,00 Euro. Auffälliger ist die Erhöhung beim Mindestauftragswert. Hier ist ein Auftrag mit Angebotserstellung, eigentlichem Lektorat/Korrektorat, Korrespondenz und Rechnungsstellung für 9,50 Euro schon lange nicht mehr wirtschaftlich. Für Publikationen mit sehr geringem Textumfang berechne ich zukünftig den Stundensatz von 28,00 Euro. Größere Textmengen werden wie gehabt zeichengenau oder nach Aufwand halbstundengenau kalkuliert.
Ich freue mich auf Ihre kommenden Aufträge und wünsche Ihnen ein gesundes sowie erfolg- und ideenreiches neues Jahr!

Lektorat Oliver Krull