Aktuelles

Anschlüsse mit „als“, Fortsetzung

Januar 2017. Die Kasusangleichung bei Anschlüssen mit „als“ oder „wie“ ist vor allem dann erforderlich, wenn ein flektiertes Wort, Artikel oder Adjektiv, vorausgeht. „Ihm als Assistent konnte diese schwierige Aufgabe nicht abverlangt werden.“ „Ihm“ weist eindeutig auf den Dativ hin; „als Assistent“ steht jedoch im Nominativ. Möglich ist diese Abweichung, weil dem Bezugswort „Assistent“ kein flektiertes Wort vorausgeht. Anders sähe es aus, wenn dem Bezugswort zum Beispiel das Adjektiv „neu“ vorangestellt wird: Ihm als neuem Assistenten konnte diese schwierige Aufgabe nicht abverlangt werden. Die Abweichung beim Bezugswort ohne flektiertes Wort ist möglich, aber nicht Pflicht, und in vielen Fällen ist die Kasusangleichung die elegantere Lösung: Ihm als Assistenten konnte … Weitere Besonderheiten zu diesem Tema bringe ich im Februar.

Lektorat Oliver Krull

Anschlüsse mit „als“

Dezember 2016. In der Rezeption eines medizinischen Magazins stand folgender Satz: „Wie stärkt man den Ruf niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten als diejenige, die die medizinische Versorgung in ganz Deutschland sicherstellen?“ Das Unbehagen an diesem Satz wird durch „diejenige“ hervorgerufen, weil es sich zwar inhaltlich auf die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten bezieht, aber Kasus und Numerus nicht deckungsgleich sind. Bei „niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten“ liegt ein Genitiv Plural vor (der Ruf wessen wird gestärkt?), „diejenige“ ist Nominativ oder Akkusativ Singular. Die Anschlusswörter „als“ und „wie“ erfordern in den meisten Fällen eine Kasus- und Numerusangleichung. Statt „diejenige“ muss es also „derjenigen“ heißen. Über weitere Beispiele und die Fälle, in denen die Kasusangleichung nicht notwendig ist, berichte ich in den Folgemonaten.

Lektorat Oliver Krull

Überarbeitungsmöglichkeiten im PDF

November 2016. Im Oktober habe ich über die Möglichkeiten gesprochen, Texte in Word zu ändern. Alles, was in Word nicht geändert wird und nur zur Debatte steht, wird kommentiert. Ähnlich sieht es im PDF aus: Schon in der Version „Reader“ können Sätze, Wörter, Zeichen markiert und mit Notiz versehen werden. Dies ist oft das Hauptarbeitstool, dem Autor, der Autorin verständlich zu machen, was geändert werden muss oder sollte. Die Vollversion bietet weitergehende Funktionen, auf Unstimmigkeiten aufmerksam zu machen, z. B. über Textfelder, Bilder und Grafiken. Außerdem gibt es ein Texterkennungstool, wenn Text nur als Bild vorliegt und als solches nicht bearbeitet werden kann. Geht das Lektorat so weit, dass nachhaltig in den Text eingegriffen werden soll, bietet das Werkzeug „PDF bearbeiten“ gar die Option, den Text direkt zu verbessern oder zu ersetzen, sodass der Autor, die Autorin ein druckreifes Dokument erhält.

Lektorat Oliver Krull

Überarbeitungsmöglichkeiten in Word

Oktober 2016. Word ist eines der Grundprogramme, das dazu geeignet ist, mehrere Personen an einem Text arbeiten zu lassen, ob als Autor(inn)en oder Redakteur(inn)en untereinander oder zum Beispiel in Zusammenarbeit mit einer Lektorin / einem Lektor. Hauptvorteil liegt darin, dass verschiedene Bearbeiter des Textes erkennbar sind, d. h., jedem neuen Bearbeiter kann eine andere Farbe zugewiesen werden. Dies lässt sich natürlich auch über den Word-Bereich „Schriftart“ erreichen. Doch effektiver ist der Modus „Änderungen nachverfolgen: ein“. Er hat den großen Vorteil, dass der Schlussredakteur vorgenommene Änderungen entweder annehmen oder ablehnen kann, ohne mühsam im Text einzelne Zeichen, Wörter oder Sätze markieren und löschen oder die Einfärbung rückgängig machen zu müssen. Außerdem können der Überarbeitungsbereich als Spalte angezeigt und somit auch statistische Angaben zur Fehlerhäufigkeit etc. ersichtlich werden.

Lektorat Oliver Krull

Arbeitsprozesse

September 2016. Im Februar habe ich über Arbeitswerkzeuge des Lektors berichtet. Hierzu bereite ich Beiträge vor, die auf die Überarbeitungsfunktionen sowohl bei Word als auch im PDF näher eingehen. Um diese Funktionen besser verstehen zu können, soll zunächst der Kontext umrissen werden, innerhalb dessen sie eingesetzt werden. Im Idealfall erhält der Lektor einen zu bearbeitenden Text seines Arbeitsbereichs mit Vorgaben des Auftraggebers, z. B. ein Wording oder Formatierungsvorgaben in einem Styleguide. Der Lektor stellt die Qualität des Textes anhand von Stichworten fest und macht ggf. das Angebot, unverständliche Stellen um- oder neu zu schreiben; dies kann auch zusätzliche Recherchen beinhalten. Danach folgt die Einigung auf das Timing und die Leistungsvergütung. Die eigentliche Arbeit kann beginnen: Prüfung Wort für Wort, Satz für Satz, Kontext, Rechtschreibung. Meist werden eindeutige Fehler kommentarlos beseitigt oder markiert, Stilverbesserungen, Empfehlungen und Verständnisfragen als Kommentar eingefügt. Im Septemberbeitrag werde ich über die Überarbeitungsmöglichkeiten ausführlicher schreiben.

Lektorat Oliver Krull

Fugen-s (Teil II)

Juli 2016. Es gibt einige Indikatoren, bei denen man von der Verwendung des Fugen-s ausgehen kann. Zum einen sind es bestimmte Wörter, die sich am besten mit einem Fugen-s erweitern lassen, zum Beispiel Bahnhof (à Bahnhofsbuchhandlung, Bahnhofsmission etc.), dagegen: Bahnsteig (à Bahnsteigkante). Zum anderen verlangen in der Regel Nachsilben bei Wortneubildungen das Fugen-s, das sind ‑heit, ‑keit, ‑schaft, ‑tum, ‑ling, ‑ion u. a.: Einheitsbestreben, Nachhaltigkeitsfaktor, Wirtschaftsunternehmen, Eigentumsverhältnisse, Erstlingswerk, Kooperationspartner. Oder Infinitive werden als Erstglieder genutzt: lesenswert, Waschenszeit, Lebenserfahrung usw. Im nächsten Monat werde ich typische Wortgruppen besprechen, die in der Regel ohne Fugen-s stehen.

Lektorat Oliver Krull

Fugen-s (Teil I)

Juni 2016. Schwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache bereitet unter anderem die Deklination, die Veränderung von Substantiven infolge verschiedener Fälle, zum Beispiel der Schaden im Nominativ, des Schadens im Genitiv, die Schäden im Nominativ Plural. Verwirrend ist obendrein, dass sich in Texten sowohl Schadenersatz als auch Schadensersatz findet. Ist eines falsch? – Nein, beide Formen haben ihre Berechtigungen. Dies erklärt sich so: Für die Bildung von Komposita bestehen eine Reihe von Bildungsregeln, die ich in den Folgemonaten nach und nach besprechen werde. Abgesehen von diesen Regeln haben sich zudem Konventionen ausgebildet. In unserem Beispiel heißt es nach der Bildungsregel, dass substantivierte Infinitive (hier: das Schaden) als Erstglied ein Fugen-s erhalten, also Schadensersatz, wie auch Schlafenszeit. In deutschen Gesetzen steht sowohl Schadenersatz als auch Schadensersatz; in anderen Fällen haben Behörden das Fugen-s getilgt wie in Komposita mit -steuer: Einkommensteuer, Vermögensteuer etc. Auch hier sind die Formen mit Fugen-s möglich und üblich; mit oder ohne Fugen-s sollte innerhalb eines Textes / einer Publikation jedoch einheitlich verwendet werden.

Lektorat Oliver Krull

Schrägstriche (Teil 2)

Mai 2016. „Die Herren Dr. Herbert/Mainz, Wolfgang/Berlin, Peter nehmen an der Veranstaltung teil.“ Vorstehender Satz gibt nicht auf Anhieb preis, wer auf die Teilnehmerliste zu setzen ist. Deutlicher wird es, wenn auf die Kommata verzichtet wird und die Schrägstriche mit Leerzeichen gesetzt werden: Die Herren Dr. Herbert / Wolfgang Mainz / Peter Berlin nehmen an der Veranstaltung teil. Soll der Text formatiert werden, empfiehlt sich, das Leerzeichen vor dem Schrägstrich zu schützen, damit dieser nicht umgebrochen wird und dadurch am Anfang einer Zeile stehen würde. Generell lässt sich sagen – und in späteren Beiträgen werde ich auf weitere Verwendungsmöglichkeiten eingehen –, dass vor allem in Fließtexten sparsam mit Schrägstrichen umgegangen werden sollte. Außerdem kann oft besser ein Komma statt des Schrägstriches stehen oder ein „und“, denn nicht jede Beziehung ist eine Schrägstrichehe, ein bezeichnendes Wort aus den achtziger Jahren, als es noch nicht so alltäglich war, dass Paare zusammen wohnten, ohne verheiratet zu sein, und ihre Nachnamen auf dem Hausbriefkasten durch einen Schrägstrich voneinander abgegrenzt waren.

Lektorat Oliver Krull

Schrägstriche (Teil 1)

April 2016. Der Schrägstrich hat mehrere Aufgaben. Er steht beispielsweise im Sinne von „je“ bei Geschwindigkeitsangaben: Ihr Wagen kommt höchstens auf 120 km/h. Oft wird er zur Abgrenzung gebraucht: Der Modus Power/Sleep kann an diesem Gerät nicht geändert werden. Meist besteht Unklarheit darüber, ob und wann Leerzeichen beim Schrägstrich gesetzt werden. Die Faustregel: Werden nur zwei Wörter wie in den obigen Beispielen voneinander abgegrenzt, stehen keine Leerzeichen. Leerzeichen sollten aber stehen, wenn Wortgruppen durch Schrägstriche voneinander abgegrenzt werden; so sieht folgende Angabe nicht nur unschön aus: Kreis, Georg (Hrsg.)/von Arlettaz, Silvia et al.: Die Geschichte der Schweiz. Mit Leerzeichen wird auf Anhieb deutlich, dass es sich um zwei verschiedene Autoren handelt: Kreis, Georg (Hrsg.) / von Arlettaz, Silvia et al.: Die Geschichte der Schweiz. Dass das Fehlen von Leerzeichen auch zu Fehlinterpretationen führen kann, zeige ich im Mai-Beitrag.

Lektorat Oliver Krull