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Zweimal Zukunft

16.05.2021. Aus der Schule, dem Studium sind vielen die Bezeichnungen Futur I und Futur II bekannt. In ihrer grammatikalischen Betrachtung beliebt sind beide nicht, und besonders Futur II gilt als Betätigungsfeld leicht verschrobener Sprachforscher:innen – in Loriots berühmtem Sketch „Jodeldiplom“ korrigiert der Lehrer eine Jodelphrase mit: „Das ist zweites Futur bei Sonnenaufgang.“

Wie sieht nun der Alltagsgebrauch der beiden Zeitformen aus? Mit Futur I können zukünftige Ereignisse markiert werden, zum Beispiel in Abgrenzung zu einer Feststellung in der Gegenwart: „Sie bewirbt sich bei verschiedenen Agenturen. Zudem wird sie sich bei hiesigen Behörden bewerben.“ Signalwort ist wird plus Verb im Infinitiv (bewerben). Oft reichen Zeitadverbien oder Zeitangaben aus, um auszudrücken, dass das Ereignis zukünftig stattfinden wird: Morgen kommt der Getränkelieferant (statt „… wird … kommen“), im Herbst fahren wir nach Brüssel (statt „werden wir … fahren“). Im Passiv können zwei Formen von werden aufeinandertreffen: Bei der Firma kann man nicht davon ausgehen, dass das Geld schnell überwiesen werden wird.

Und das Futur II? Es ähnelt dem Plusquamperfekt, weil es ebenso einen Vorgang deutlich machen kann, der zeitlich vor einem anderen liegt; dann helfen die Formen des Futurs, den logischen Zusammenhang herzustellen: Wir werden mit der Arbeit erst beginnen können, nachdem das Geld auf unserem Konto eingegangen sein wird. Oft sieht und hört man heute statt Futur-II-Gebrauch die Verwendung des Perfekts – für das voranstehende Beispiel: … nachdem das Geld auf unserem Konto eingegangen ist. Auch bei Futur II können im Passiv wieder mehrere Verben nacheinander stehen: Wird er nach Australien fahren, sobald ihm die Einreise zugesichert worden sein wird?

In einem späteren Beitrag werde ich weitere Beispiele für den Gebrauch der Zeitformen im Futur besprechen.

Lektorat Oliver Krull