Aktuelles

Dort meine Familie

01.12.2018. Schon mehrfach habe ich darüber berichtet, dass und welche idiomatischen Besonderheiten zwischen den Sprachen bestehen können. Sprachen, die nicht zu derselben Sprachfamilie gehören, können sich besonders unterscheiden. Was bei der einen Sprache als schlechter Stil gilt, kann bei der anderen Sprache die Regel sein. So hat der Nominalstil im Deutschen, die Aneinanderreihung von Substantiven mit meist nur einem Prädikat, keinen guten Ruf. Im Arabischen zum Beispiel wird ein großer Teil der Kommunikation durch Nominalsätze bestritten; in ihnen kommt überhaupt kein Prädikat, kein Verb vor. Der Araber sagt „Ich Ahmed“ oder „Sie Verkäuferin“. Dies ist korrekte arabische Syntax, und Araberinnen und Araber, die noch die Deutsche Sprache lernen, sollten bei Aussagen wie „Dort meine Familie“ nicht gleich für dumm gehalten werden.

Interview zur Lektorats- und Verbandsarbeit

01.11.2018. Am 25. Oktober sind mein Kollege Georg D. Schaaf (Vorsitzender des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren) und ich vom „Radio Magic City Six“ zu unserer Arbeit interviewt worden.

Die beiden Interviewteile stehen im Audioportal Freier Radios unter folgendem Link zum Nachhören bereit: https://www.freie-radios.net/91667

Gute Unterhaltung und vielleicht neue Einblicke in die Welt der Lektorinnen und Lektoren!

Lektorat Oliver Krull

Textwerkstatt – Erfahrungsaustausch unter Profis am 08.09.2018

01.10.2018. Am 8. September trafen sich Lektorinnen und Lektoren im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Textwerkstatt“ zum Erfahrungsaustausch in der Lettrétage. Im Vorfeld wurden die Teilnehmenden in Gruppen hinsichtlich ihrer Arbeitsschwerpunkte aufgeteilt. Sie hatten von ihnen bereits lektorierte Texte eingereicht, und zwar in der zu bearbeitenden Fassung. Diese wurden von den Kolleginnen und Kollegen der jeweiligen Gruppe vor dem Treffen lektoriert. So konnte in der „Textwerkstatt“ genau verfolgt werden, wie unterschiedlich oder ähnlich die Herangehensweisen sind. Die Analysen fanden auf allen Ebenen statt, Analysen der Angebotserstellung und der Auftragserteilung; des Weiteren wurden die Textsorten und -qualitäten eingeschätzt, der angemessene Arbeitsaufwand im Verhältnis zu den Kundenwünschen, die Tiefe von Lektorat oder Korrektorat.

Die Unterschiede im Umgang mit den Texten war geringer als erwartet. In den folgenden Treffen der Veranstaltungsreihe sind noch die Differenzen zu beobachten, die sich einstellen, wenn Lektorinnen und Lektoren im langjährigen Umgang mit ihren Kundinnen und Kunden Bearbeitungsmuster entwickelt und Verständnishorizonte gebildet haben, die nicht eingeweihte Lektorinnen und Lektoren bei ihrer Bearbeitung zunächst nicht berücksichtigen. Mitunter sind Lektorinnen und Lektoren auch an unterschiedliche Textsorten innerhalb ihrer Arbeitsfelder gewöhnt. Enbenso variieren die Arbeitsabläufe: Manche setzen früher bei semantischen und syntaktischen Analysen an, andere nehmen zuerst den Gesamtaufbau stärker in den Fokus. Bei allen Beteiligten fiel in dieser Veranstaltung der hohe Anspruch auf, dem Text im Hinblick auf seine Intention und Zielgruppe gerecht zu werden.

Lektorat Oliver Krull

Textwerkstatt – Erfahrungsaustausch unter Profis

01.09.2018. Zusammen mit meiner Kollegin Silke Leibner veranstalte ich ab 8. September 2018 auf der Lettrétage die Reihe „Textwerkstatt“. Sie richtet sich an Mitglieder des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren, des Verbandes der deutschspraschigen Übersetzer, des Verbandes der Selfpublisher, der Illustratoren Organisation, des Texterverbandes und der Jungen Verlagsmenschen.

Wie lektorieren andere Profis einen Text? Was sehen sie, wo greifen sie ein, welche Schwerpunkte setzen sie? Wie gehen sie an einen Auftrag heran? In der Textwerkstatt geht es genau um solche Fragen. Und – das vor allem – um die intensive gemeinsame Arbeit von Profis an unbearbeiteten Texten. Im Zentrum stehen der Erfahrungsaustausch, die Weitergabe von Wissen und die Freude an der professionellen Optimierung von Texten. Von Texten aller Art. Denn in der Textwerkstatt werden Texte aus den verschiedensten Arbeitsbereichen lektoriert, ob Belletristik, Sach- oder Werbetext.

In meinem nächsten Beitrag werde ich über Inhalte und Ergebnisse der Veranstaltung am 8. September berichten.

Lektorat Oliver Krull

Sommer 2018!

01.08.2018. Allen meinen Kundinnen und Kunden, Lesern und Leserinnen wünsche ich erfüllte Sommertage und hinreichend Abkühlung bei jeder neuen Hitzewelle am Arbeitsplatz, zu Hause oder am Urlaubsort! Mein Büro bleibt wegen mehrerer bis Herbst laufender Projekte durchgehend geöffnet; meinen nächsten Fachbeitrag können Sie wieder ab September lesen.

Lektorat Oliver Krull

Kommata bei Betonungen

01.07.2018 Im Juni ging es um Verwirrungen bei der Kommasetzung. Eine hin und wieder beobachtete Marotte ist, Kommata zu setzen, wenn es sich vermeintlich um Hervorhebungen handelt. Eine tatsächliche Hervorhebung kann mit Kommata erzielt werden, sobald die Hervorhebung als Parenthese verstanden wird, z. B.: Eine Lesung des Autors, sie wurde schon vor Monaten angekündigt, steht immer noch aus. Alternativ können Gedankenstriche gesetzt werden, sie wirken ein wenig stärker: Eine Lesung des Autors – sie wurde schon vor Monaten angekündigt – steht immer noch aus. In dem im Junibeitrag vorgestellten Satz „Nach dem Erfolg der Frühjahrsofferte, gibt es nun auch im Sommer 2018 eine Premiere“ steht das Komma jedoch nicht vor einer Parenthese, sondern es reißt das Satzgefüge auseinander und ist daher falsch. Wollte man hier betonen, muss man zu anderen syntaktischen Mitteln greifen, beispielsweise: Es gibt nun auch im Sommer 2018 eine Premiere, und zwar nach der Frühjahrsofferte.

Lektorat Oliver Krull

Mehr Kommata als nötig

01.06.2018 Bei der Kommasetzung gibt es verschiedene Tendenzen, wenn sich der Autor / die Autorin nicht sicher ist. Entweder werden nach Gefühl Beistriche gesetzt (hier gibt es mitunter erstaunlich gute Gefühlslagen), oder es werden gar keine oder ständig Kommata gesetzt. Im letzteren Fall macht sich eine Neigung breit, adverbiale Bestimmungen vom Satzgefüge als getrennt anzusehen; Beispiel: Nach dem Erfolg der Frühjahrsofferte, gibt es nun auch im Sommer 2018 eine Premiere. Eine Umstellung des Satzes macht deutlich, wie eng die temporale Ergänzung mit dem Rest des Satzes verknüpft ist: Es gibt nach dem Erfolg der Frühjahrsofferte nun auch im Sommer 2018 eine Premiere. Die manchmal vorgebrachte Entschuldigung, das Komma diene der Betonung, kann schlecht angenommen werden, denn die Betonung ist nicht eindeutig; und die deutsche Syntax kennt andere Mittel, um Satzteile, Wörter oder Phrasen hervorzuheben. Dazu mehr im Julibeitrag.

Lektorat Oliver Krull

Zusammenarbeit von Autor(inn)en und Lektor

30.04.2018. Bei Anfragen zu Buchprojekten bin ich wiederholt zu dem Arbeitsverhältnis zwischen Lektor und Autor(inn)en befragt worden. Je nach Textsorte und ‑qualität ist das Verhältnis mehr oder weniger kommunikativ. Immer ist es jedoch ein Vertrauensverhältnis, weil die Autorin / der Autor dem Lektor ihren/seinen Text anvertraut. Der Lektor unterliegt zwar nicht wie Ärzte oder Rechtsanwältinnen einer Schweigepflicht; jedoch ist es selbstverständlich, dass der Autor jeden Text vertraulich behandelt. Benötigt der Autor / die Autorin zum Beispiel nach einer Erstfassung seines/ihres Textes eine grundlegende Beratung, inwieweit das Geschriebene der Intention, ob es stilistisch der Zielgruppe entspricht, die Argumentationsketten konsequent geknüpft sind, wird die Zusammenarbeit intensiver sein als bei einem Text, der kurz vor der Druckstufe steht. Ein Großteil dieser Zusammenarbeit lässt sich per E-Mail oder telefonisch erledigen. Ist das gewählte Thema komplex, der stilistische Anspruch gar literarisch, können durch Satzbauänderungen Unklarheiten nicht beseitigt werden, ist die persönliche Zusammenarbeit ratsam und immer sehr fruchtbar. Nach bestimmten, textimmanenten Sinnabschnitten treffen sich Autor(in) und Lektor und finden heraus, wie dem Text zum Erfolg verholfen werden kann. Beispielsweise empfiehlt der Lektor, Zusammenhänge herzustellen und/oder mit Material zu unterfüttern; manchmal reißt er auch ein zu dünnes Gerüst aus Inhalt und Sprache ein und legt dem Autor, der Autorin nahe, unter Berücksichtigung relevanter Fragestellungen neu zu formulieren. So entsteht schrittweise ein zielführender und lesenswerter Text.

Lektorat Oliver Krull

Lektorate in anderen Sprachen

März 2018. Von einem Londoner Kollegen bin ich Anfang dieses Jahres um Hilfe beim Lektorat eines in einem englischen Dossier eingebetteten deutschen Zitats gebeten worden. Bei dieser Gelegenheit haben wir wie so oft die Eigentümlichkeiten beider Sprachen festgestellt. Immer wieder Felder exemplarischen Austausches sind der erfinderische deutsche Satzbau und der Reichtum des englischen Wortschatzes. Als Beispiel fiel mir ein Satz aus dem dritten Band von Robert Harris’ Cicero-Trilogie ein, die ich zu der Zeit gerade beendete: „A wind got up, stirring the sea into steep waves, and our little boat seemed to rise almost to the perpendicular, only to crash down again, bow first, and saturate us with salt water.“1 In der deutschen Übersetzung werden daraus zwei Sätze: „Aufkommender Wind wühlte die See auf, steile Wellen türmten sich auf. Unser kleines Boot schien senkrecht in die Höhe zu steigen, um dann mit dem Bug voraus wieder in die Tiefe zu stürzen.“2 Abgesehen davon, dass „and saturate us with salt water“ überhaupt nicht übersetzt wurde, punktet das englische Original mit atemloser Wortfolge und bildhafterer Wortwahl insbesondere mit „seemed to rise almost to the perpendicular“. „perpendicular“ könnte zwar mit „Lotrechte“ übersetzt werden, wäre in diesem Kontext jedoch ungewöhnlich. Die englische Sprache ist oft zwangloser mit Vokabeln und bringt mit „perpendicular“ mehr Bewegung in den Sinn, da dieses Wort Bilder im Umfeld eines Perpendikels eröffnet, Bilder eines vom Sturm erfassten Bootes, das einem Pendel gleich auf- und abgeht.

1 Robert Harris, „Dictator“, Arrow Books, London, 2016.

2 Robert Harris, „Dictator“, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2017.

Lektorat Oliver Krull