Aktuelles

Akustische Aspekte des Sprachverständnisses

Januar/Februar 2018. Wenn Sprache nicht oder nur schwer verstanden wird, muss dies nicht immer ein Fall für das Lektorat sein. Ein Aspekt ist der Dialekt. Wer zum Beispiel selten Kontakt mit der bayerischen Bevölkerung hat, wird sich anstrengen müssen, zwei sich unterhaltende Bayern oder Bayerinnen zu verstehen, obwohl gemeinhin gesagt werden kann, dass sowohl in Bayern als auch Berlin deutsch gesprochen wird. Selbst innerhalb einer Dialektgruppe kann es Bedeutungsunterschiede geben, sobald ein Text gelesen oder gehört wird. Der über die Schriftsprache erfasste Text kann eine andere Tonalität, beispielsweise eine aggressive Stoßrichtung bekommen, wenn die Information mit den Emotionen des Sprechers / der Sprecherin belegt wird. Besonders interessant sind Bedeutungsveränderungen in sogenannten Tonsprachen, wie dem Mandarin-Chinesisch, den afroasiatischen und vielen anderen Sprachen, in denen die Änderung der Tonhöhe oder des Tonverlaufes einer Silbe die Änderung der Bedeutung nach sich zieht.

Lektorat Oliver Krull

Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!

22. Dezember 2017. Allen meinen Leserinnen und Lesern, Kunden und Kundinnen wünsche ich einen erfolgreichen Jahresabschluss und fröhliche Feiertage!

Für Anfragen stehe ich Ihnen auch zwischen den Jahren zur Verfügung. Meinen nächsten Fachbeitrag können Sie wieder Ende Januar lesen.

Lektorat Oliver Krull

Nähe und Distanz

Dezember 2017. Eine Freundin – von Beruf Ärztin – fragte mich neulich, wie es bei Lektoren mit dem Nähe-Distanz-Verhältnis zu den Inhalten ihrer Arbeit aussehe. Ein Vergleich zu der Verantwortung, die eine Ärztin, ein Arzt dem menschlichen Leben gegenüber hat, kann ein Lektor natürlich nicht aufstellen. Dennoch können Worte gefährlich werden, ein Sachverhalt durch eine unschlüssige Argumentation ins falsche Licht geraten oder der Text schlichtweg an der Zielgruppe vorbeigehen. Sind es nicht gerade Kommandozeilen, die für ein Softwarehandbuch systematisiert werden sollen, erfordert jede Textsorte eine meist auf die Zielgruppe gerichtete Empathie. Es sollte der Lektorin, dem Lektor möglich sein, sich in die jeweilige Zielgruppe hineinzuversetzen und vor Augen zu führen, wie die Intention, die mit dem Text beabsichtigt ist, bei dieser Zielgruppe besonders nachhaltig ankommt. Die Lektorin, der Lektor darf sich auf der anderen Seite allerdings nicht von dem Text verführen lassen in der Weise, dass sie oder er – zum Beispiel wegen einer persönlichen Vorliebe für ein Thema – Aspekte eines Artikels überbewertet, Satzkonstruktionen vorzieht, die bei neutralerer Betrachtung als tendenziös angesehen werden könnten. Die Distanz zum Text muss also genauso bewahrt bleiben, wie die Scheu vor der gedanklichen Durchdringung der Inhalte abzulegen ist.

Lektorat Oliver Krull

Umbrüche

November 2017. Von einem Praktikanten wurde ich neulich gefragt, warum die Umbruchkontrolle bei der Angebotserstellung extra erwähnt wird. Ein Text sei doch fertig, sobald er fehlerlos sei. Der Text mag stimmen, eingehend lektoriert und korrigiert sein; allerdings steht er nicht losgelöst im Raum, sondern vor allem als Printversion in einem vorgegebenen Rahmen, gegebenenfalls mit Bildern. Der Text muss in den Rahmen und zu den Bildern passen, d. h., Zeilen dürfen nicht zu dicht an Bilder und Grafiken heranreichen, allein auf der Folgeseite stehen, über den Rand hinausreichen, ungleiche Abstände und Einschübe hinsichtlich Folgezeilen und Absätze enthalten, wegen umgebrochener Wörter keine Lücken entstehen lassen, und die Zeilen sollten annähernd gleiche Lauflängen haben. Um dies zu erreichen, können beispielsweise die Schrift in Art und Größe angepasst, die Zeile unterschnitten oder gesperrt und Wörter getrennt werden. Auch hierbei können Fehler auftreten, falsche Trennungen passieren, vormalige Trennstriche nicht gelöscht werden, Text oder die Text-Bild-Zuordnung verloren gehen etc. Bei anspruchsvollen Publikationen wird der Lektor oft nach der Überarbeitung des Textinhaltes mit einer eigenen Umbruchkontrolle beauftragt.

Lektorat Oliver Krull

Übersetzungslektorat

Oktober 2017. Im April 2015 habe ich schon einmal über die Schwierigkeiten berichtet, sobald maschinell übersetzte Texte ins Korrektorat oder ins Lektorat geschickt werden. Ich selbst habe es erlebt, und Kolleg(inn)en berichten mir davon, dass sie Texte aus fremdsprachigen Ländern erhalten, die im deutschsprachigen Raum relevant werden (z. B. Bedienungsanleitungen), aber nicht über den Schreibtisch einer Übersetzerin, eines Übersetzers gegangen sind, sondern von einer Software übersetzt wurden. Bis vor wenigen Jahren waren diese Übersetzungen oft bis zur völligen Unverständlichkeit verdorben und auch nicht durch ein Lektorat zu retten – auch wenn eine Lektorin, ein Lektor die Ausgangssprache beherrscht: Er ist kein Übersetzer und wird nur für eine Dienstleistung bezahlt. Inzwischen sind manche an neuronale Netzwerke angebundene Übersetzungsprogramme derart souverän geworden, dass es weniger leicht ist, ihren Output zu identifizieren. Auffällig sind nach wie vor idiomatische Wendungen oder spezielle Begriffe, für die das Programm noch nicht auf kontextbezogene Quellen zurückgreifen kann. Neulich fiel mir in einem Handbuch für Grafiker folgender Satz auf: „Wenn Sie für ein Dokument eine Spiralheftung beabsichtigen, müssen Sie je nach Seitenverhältnis die Rinnenspanne einkalkulieren.“ Ein menschlicher Übersetzer wäre nicht auf die Idee gekommen, „Rinnenspanne“ zu übersetzen, da dies Wort im Deutschen keine Verwendung hat. Die Maschine hatte „gutter margin“ zusammenhangsfrei und mechanisch übersetzt; tatsächlich gemeint ist „Bundsteg“, der Rand zwischen Satzspiegel und Papierkante.

Lektorat Oliver Krull

Sprachtendenzen

September 2017. Sprachtendenzen verfolgen Lektor(inn)en sehr aufmerksam, um bei ihrer täglichen Arbeit entscheiden zu können, ob ein verwendeter, vielleicht fremdsprachlicher Begriff, ob eine ungewohnte Satzstellung oder Zeichensetzung bloßer Manierismus ist oder damit tatsächlich etwas ausgesagt oder eine semantische Nuance erzielt wird. Im November 2015 hatte ich dazu Dr. Lutz Kuntzsch von der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. zu einer öffentlichen Sitzung des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren eingeladen. Bald zwei Jahre sind seitdem vergangen; der Duden hat vor wenigen Wochen seine neueste Ausgabe zur Rechtschreibung auf den Markt gebracht – vor allem aus dem Grund, mit der sprachlichen Entwicklung Schritt halten zu wollen. In solch einem weitläufigen Regelwerk muss der Sprachgebrauch jedoch zwangsläufig sehr allgemein abgebildet werden. Lektor(inn)en können dagegen – je nach Arbeitsbereich – Sprachstränge fokussierter betrachten und Wordings erstellen auch für solche Begriffe oder Satzkonstruktionen, die bisher keinen Eingang in (Online-)Nachschlagewerke gefunden haben. In loser Folge werde ich über Beispiele aus meinem Alltag in den kommenden Beiträgen berichten.

Lektorat Oliver Krull

Recherche (Teil 3)

Juli 2017. Die im Mai und Juni beschriebenen Recherchen verlaufen oft nicht eingleisig. Wenn es darum geht, einen weniger bekannten Namen oder Sachverhalt durch eine zweite Quelle zu bestätigen, wird man entweder eine andere Publikation suchen oder ein anderes Medium heranziehen müssen. Benötigt ein Text mehr Inhalt, um beispielsweise ein Thema plastischer werden zu lassen oder überhaupt verifizieren zu können, kommt man um die weitergehende Recherche nicht herum. Das Internet scheint unerschöpflich; doch mit herkömmlichen Suchmaschinen bewegt man sich überwiegend auf der Oberfläche des öffentlich zugänglichen Datenstroms. An die Datenbanken von Firmen, Behörden und Institutionen kommt man nicht ohne Weiteres heran. Hierzu ist ein berechtigter Zugang, z. B. ein Account nötig. Überaus ergiebig sind Archive von Zeitungen, die schon seit Jahrzehnten bestehen und ihren Bestand mit der Zeit digitalisiert haben. Der Zugang ist fast immer kostenpflichtig; doch wenn man per se mit gutem Journalismus versorgt sein will, lohnt sich ein Account. Über intelligente Suchmasken, die nach Begriffen innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens filtern, kann Erstaunliches hervorgeholt werden. Zum Beispiel konnte ich für ein Buchkapitel über Lift-Surfing mittels einer Recherche im Online-Archiv der New York Times belegen, dass diese Mutprobe zwischen 1984 und 1991 für vierzehn Jugendliche in New York fatal endete.

Lektorat Oliver Krull

Recherche (Teil 2)

Juni 2017. Im Mai schrieb ich, dass die Recherche beim Lektorat selbstverständlich sei. Hierzu gab es Rückfragen vor allem hinsichtlich Suchmöglichkeiten und -tiefe. Zu den Möglichkeiten lässt sich sagen, dass das Internet ungeahnte Möglichkeiten bietet und bekannte Suchmaschinen oder Wikipedia oft an erster Stelle stehen. Benötigt man Belege, z. B. für ein Zitat, sind Verbundkataloge der Bibliotheken eine verlässliche Quelle. Müssen Inhalte abgeklärt werden, sollte die Suche fokussiert werden auf den Bereich, der am wahrscheinlichsten Material zu dem Thema bieten könnte. Hier spielt die Frage nach der Suchtiefe eine Rolle. Recherchearbeit darf nicht unterschätzt werden: Sie verlangt hohe Aufmerksamkeit, ein Gefühl für die Wahrscheinlichkeit, in der aufgerufenen Quelle etwas zu finden, und die Disziplin, sich bei der Suche nicht ablenken zu lassen; und all dies kostet Zeit und sollte vor Auftragsabschluss einkalkuliert werden. Werden Fakten und Quellen überprüft geht das schneller als wenn für einen Artikel, der neu geschrieben werden soll, erst die Inhalte über Recherchearbeit geliefert werden müssen. Im nächsten Monat spiele ich ein Beispiel für eine Zeitungsrecherche durch.

Lektorat Oliver Krull

Recherche und Korrektorat

Mai 2017. Bei einem Lektorat ist die Recherche selbstverständlich, da Fakten und inhaltliche Zusammenhänge eines Textes überprüft werden müssen. Beim Korrektorat wird meist davon ausgegangen, dass hier nur die Rechtschreibung überprüft werden müsse. Abgesehen davon, dass zu einem Korrektorat auch die Zeichensetzung und die Grammatik, vielfach eine Umbruchkontrolle und Systematisierung hinzugehören, sind in der Regel die zur Allgemeinbildung gehörenden Fakten und Daten zu prüfen. In einer Broschüre, die beispielsweise historische Ereignisse spiegelt, sind das die genannten Orte und die Zeitangaben. Auch Eigennamen spielen eine große Rolle, sowohl historische Persönlichkeiten als auch solche aus Kultur, Politik und Sport der Gegenwart. Diese Personen finden sich nur zu einem sehr geringen Prozentsatz in den Duden-Wörterbüchern wieder und müssen im Zweifelsfall über eine Recherche ermittelt werden.

Lektorat Oliver Krull