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Thema Content-Qualität: warum Grammatik allein keinen guten Text macht

16.02.2026. Folgenden Satz höre ich häufig: „Hauptsache fehlerfrei.“ Ein wichtiges Anliegen ans Lektorat – doch das ist nicht alles.

Grammatik ist keine Nebensache. Ohne sie geht es nicht. Sie schafft Verlässlichkeit, sie verhindert Missverständnisse, sie ist das Fundament jeder seriösen schriftlichen Kommunikation. Doch ein fehlerfreier Text ist noch kein guter Text. Und genau hier beginnt das Thema Content-Qualität.

Warum Grammatik unverzichtbar ist

Grammatik ist mehr als ein Regelwerk. Sie strukturiert Gedanken. Sie markiert Beziehungen zwischen Satzgliedern. Sie macht deutlich, wer handelt, worauf sich ein Bezug bezieht, was Ursache und was Folge ist.

Ein Beispiel aus der Praxis:

„Die Referentin stellte die Studie der Professorin vor, die international ausgezeichnet wurde.“

Wer wurde ausgezeichnet?
Die Studie? Oder die Professorin?

Der Satz ist grammatikalisch korrekt. Und dennoch erzeugt er einen Moment der Irritation. Der Relativsatz kann sich formal auf beide Bezugswörter beziehen. Grammatik allein verhindert hier keine Mehrdeutigkeit – sie macht sie lediglich möglich.

Erst eine bewusste Umstrukturierung schafft Klarheit:

„Die Referentin stellte die international ausgezeichnete Studie der Professorin vor.“

oder

„Die Referentin stellte die Studie der Professorin vor. Diese wurde international ausgezeichnet.“

Hier zeigt sich die eigentliche Funktion grammatischer Sicherheit: Wer sich im System der Sprache sicher bewegt, erkennt solche Ambivalenzen – und kann sie auflösen. Ohne diese Sicherheit bliebe die Mehrdeutigkeit womöglich unbemerkt.

In diesem Sinne ist Grammatik keine Option. Sie ist Voraussetzung.

Warum Grammatik dennoch nicht ausreicht

Doch stellen wir uns einen anderen Text vor:
grammatikalisch korrekt, orthografisch sauber, stilistisch unauffällig – und dennoch bleibt er blass. Man liest ihn, versteht ihn, vergisst ihn.

Warum?

Weil Content-Qualität mehr verlangt als Regelkonformität.

Ein guter Text beantwortet eine Frage.
Er führt Leserinnen und Leser.
Er setzt Schwerpunkte.
Er entfaltet einen Gedanken.

Grammatik sorgt dafür, dass ein Text funktioniert.
Qualität entscheidet darüber, ob er wirkt.,

Was Content-Qualität ausmacht

Content-Qualität beginnt mit Zielklarheit:
Für wen schreibe ich? Mit welchem Anliegen? Mit welchem Erkenntnisgewinn?

Sie zeigt sich in der Struktur:
Ist der Gedankengang nachvollziehbar? Gibt es einen roten Faden? Werden zentrale Begriffe präzise eingeführt?

Sie zeigt sich in der Gewichtung:
Was ist Hauptsache, was Nebensache? Wo braucht es ein Beispiel? Wo eine Verdichtung?

Und sie zeigt sich im Ton:
Ist der Text adressatengerecht? Sachlich genug? Persönlich genug? Angemessen differenziert?

All das lässt sich nicht allein aus der Grammatik ableiten. Hier beginnt die eigentliche Textarbeit.

Die verbreitete Fehlannahme

In Zeiten digitaler Veröffentlichung scheint häufig zu gelten: Wenn Rechtschreibung und Zeichensetzung stimmen, ist der Text „fertig“.

Doch Suchmaschinen bewerten längst anders. Sie messen nicht nur Formalia, sondern Relevanz, Struktur und Verständlichkeit.

Und Leserinnen und Leser tun es ohnehin.

Ein formal korrekter Text ohne Substanz verliert ebenso schnell wie ein inhaltlich starker Text mit groben sprachlichen Fehlern.

Das Zusammenspiel

Die Gegenüberstellung „Grammatik oder Content“ führt daher in die Irre. Es geht nicht um ein Entweder-oder.

Grammatik schafft die Voraussetzung für Vertrauen.
Content-Qualität schafft die Voraussetzung für Wirkung.

Wer Grammatik beherrscht, bewegt sich sicher im System der Sprache.
Wer darüber hinaus Inhalte strukturiert, gewichtet und adressatenbezogen formuliert, schafft Mehrwert.

Erst im Zusammenspiel entsteht ein Text, der nicht nur korrekt ist – sondern trägt.

Fazit

Ohne Grammatik keine Verständlichkeit.
Ohne Qualität keine Relevanz.

Ein guter Text ist daher nicht der fehlerfreie Text.
Er ist der durchdachte, strukturierte, zielgerichtete Text – auf sicherem sprachlichem Fundament.

Sie möchten wissen, ob Ihr Text trägt?
Ich prüfe nicht nur auf Fehler, sondern auf Verständlichkeit, Struktur und Wirkung.

Lektorat Oliver Krull

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Warum Grammatik?

16.01.2026. Liebe Leserin, lieber Leser, ich hoffe, Sie sind gut ins neue Jahr gestartet und freuen sich auf Ihre anstehenden oder Ihre bereits begonnenen Projekte.

Aus dem vergangenen Jahr herübergebracht haben einige von Ihnen die Auflösung meines Rätsels im Blogbeitrag Urlaub und Leserbrief vom 26.11.2025. Unter den Einsenderinnen und Einsendern ist auch Jakob, der uns den wunderbaren Bandwurmsatz mit Analyse zur Verfügung gestellt hat. Alle haben richtig geraten: Das Prädikat des Hauptsatzes lautet „wächst“. „bemüht ist“ dagegen steht als Prädikat des mit „während“ beginnenden temporalen Nebensatzes.

Grammatik ist Denkstruktur

Ein Leser möchte wissen, wofür Texter:innen derart grammatikalische Kenntnisse zur Bestimmung von Satzelementen benötigen.

Generell kann ich sagen, dass ich mich um so freier in einer Sprache bewege, je besser ich über deren Strukturen Bescheid weiß. Wer Satzelemente sicher bestimmen kann, gewinnt Distanz zum eigenen Schreiben: Man sieht, was man tut – nicht nur, dass man es tut. Zweitens schafft grammatikalische Klarheit Verantwortung – denn wer Haupt- und Nebensätze, Prädikate und Bezüge erkennt, entscheidet bewusster, wie fokussiert, verschleiert oder pointiert wird. Grammatik muss also kein Korsett sein, sondern schafft Raum für Kreativität, weil man um die Mittel weiß, mit denen man die gewünschte Zielgruppe erreicht.

Doch selbst grammatikalische Sicherheit allein garantiert noch keinen überzeugenden Text. Welche Rolle darüber hinaus Struktur und inhaltliche Qualität spielen, werde ich in meinem Februar-Beitrag näher ausführen.

Lektorat Oliver Krull

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Urlaub und Leserbrief

26.11.2025. Im Januar warten spannende Projekte auf mich. Vorher mache ich Urlaub, ab 1. Dezember 2025. Zwischen den Jahren kehre ich in mein Büro zurück und widme mich mit frischer Energie wieder Ihren Anfragen und Publikationsvorhaben.

Schon an dieser Stelle wünsche ich Ihnen von Herzen frohe Festtage und einen unbeschwerten Jahreswechsel! Damit die Zeit bis dahin nicht ohne sprachliche Herausforderung verstreicht, veröffentliche ich in Einverständnis mit dem Autor nachfolgenden Leserbrief. In seiner Reaktion auf meinen Blogbeitrag vom 16.10.2025 hat Jakob L. ebenfalls mit Begeisterung einen langen Satz analysiert. Es bereitet mir immer Freude, wenn Menschen ihre Sprache unter die Lupe nehmen und feststellen, auf welche Weise mehr oder weniger wichtige Inhalte transportiert werden. Jakob ist 27 Jahre alt und Röntgenassistent (MTR). Ein Fehler, der ihm bei der Satzanalyse unterlaufen ist, soll Sie inspirieren, mir die Ihrer Meinung nach korrekte Angabe zuzusenden.

Betreff: Ihr Elsner-Satz hat mich nicht losgelassen

Liebe Redaktion, lieber Herr Krull,

Ihr jüngster Blogbeitrag über den famos verschachtelten Elsner-Satz hat mich sofort gepackt. Ich gebe zu, ich mag solche syntaktischen Expeditionen, bei denen man beim Lesen das Gefühl bekommt, die Wörter bauen vor einem eine Art Klettersteig auf – und man hofft, oben angekommen noch zu wissen, wo man gestartet ist. Jedenfalls musste ich sofort an einen Satz denken, der mir diesen Sommer in einem Interview des Deutschlandfunks (2025) begegnet ist und mich seither nicht loslässt:

„Während die Bundesregierung, die nach den jüngsten energiepolitischen Turbulenzen und angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen bemüht ist, durch eine Kombination aus europäischen Abstimmungen, nationalen Strukturreformen und einer Reihe neuer Sicherheitsabkommen das Vertrauen sowohl der Industrie als auch der Partnerstaaten zurückzugewinnen, gleichzeitig jedoch von mehreren Koalitionsfraktionen gedrängt wird, die bisherigen Prioritäten in der Außen- und Haushaltspolitik grundlegend zu überdenken, wächst in der Öffentlichkeit die Sorge, dass trotz aller angekündigten Maßnahmen die notwendige Geschlossenheit für tragfähige Entscheidungen am Ende doch fehlen könnte.“

Angespornt durch Ihre Elsner-Analyse habe ich mich an einer eigenen kleinen Zerlegung versucht:

  • Das einleitende „Während …“ eröffnet einen Nebensatz, der die politische Ausgangslage beschreibt.
  • „Die Bundesregierung“ fungiert darin als Subjekt, erweitert durch einen Relativsatz, der ihre Lage näher bestimmt.
  • Die Formulierung „durch eine Kombination aus … Sicherheitsabkommen“ lese ich als eine modal-zielgerichtete adverbiale Bestimmung, die den Charakter der Bemühungen erläutert.
  • Der Abschnitt „gleichzeitig jedoch … überdenken“ scheint mir eine koordiniert eingeschobene Druck- bzw. Forderungsstruktur abzubilden, die ich bestimmt ebenfalls noch dem „Während“-Gefüge zurechnen würde.
  • Und schließlich würde ich sagen, das Hauptprädikat des Gesamtsatzes sei „bemüht (ist)“, an das sich im Anschluss die Infinitivgruppe und der Rest der Aussage gliedern.

Ich habe also nicht alle Wortarten und Satzteile benannt, würde mich aber sehr freuen, wenn ich die Satzarchitektur an sich richtig verstanden habe. Falls nicht, wäre ich für Hinweise dankbar.

Mit schönen Grüßen
Jakob L.

An dieser Stelle gebe ich an meine Leserinnen und Leser ab. Jakob L. hat gute Arbeit geleistet; doch in einem Punkt hat er sich tatsächlich geirrt. Haben Sie Lust, sich Jakobs Analyse noch einmal näher anzusehen und mir bis 14.01.2026 den Irrtum mitzuteilen. In meinem Blog-Beitrag am 16.01.2026 werde ich darüber berichten.

Lektorat Oliver Krull

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Satz zerlegt

16.10.2025. Hier noch einmal der Elsnersche Satz aus meinem Junibeitrag:

„Der mörderischen, nihilistischen Anarchie des Imperialismus, der immer deutlicher einen dritten Weltkrieg anpeilt, setzen die außerparlamentarisch revoluzzernden, auf die schiefe Bahn geratenen Kleinbürgersöhne, Bürgersöhne, Künstler und Intellektuellen sowie die heimatlosen Linken, die bislang in einer nur minimalen Weise Kontakt zur Gewerkschaftsbewegung und zur Arbeiterklasse erreichen konnten und deshalb, einschließlich der kleinbürgerlich-pazifistischen Friedensbewegung, zur Erfolglosigkeit determiniert sind, die gedanklichen Schwachstellen des Anarchismus entgegen.“

Ich habe diesen Satz als echte Periode bezeichnet und möchte sie durch Erläuterung ihrer Bestandteile deutlich machen. Der Umlauf des Satzes beginnt mit einem erweiterten Dativobjekt (bis „anpeilt“), gefolgt vom Prädikat „entgegensetzen“, zwischen dessen Teile „setzen“ und „entgegen“ das mehrteilige und durch Relativanschluss sowie Parenthese erweiterte Subjekt (von „die außerparlamentarisch …“ bis „determiniert sind“) und das erweiterte Akkusativobjekt „Schwachstellen“ gesetzt sind.

Der Reihe nach: Dativobjekt (Anarchie) aus bestimmtem Artikel mit zwei Adjektiven, eingegrenzt durch Genitivattribut (Imperialismus), dieses Attribut wiederum durch einen Relativsatz („der … anpeilt“) mittels adjektivischen Attributs (immer deutlicher) und Akkusativobjekt (Weltkrieg) beschrieben. Es folgen Prädikatsteil (setzen) und die um adjektivische Attribute (außerparlamentarisch, schief, heimatlos) und zwei Partizipialbeschreibungen (revoluzzernd, geraten) angereicherten substantivischen Subjekte (Kleinbürgersöhne, Bürgersöhne, Künstler, Intellektuelle). Zudem wird diesen Personen in einem neuerlichen relativischen Einschub die determinierte Erfolglosigkeit zugeschrieben, dessen Kreis die Autorin noch mit einer Parenthese über andere Versager vergrößert („einschließlich der kleinbürgerlich-pazifistischen Friedensbewegung“), um somit einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung deren genau bezeichnete Schwachstellen, nämlich die gedanklichen des Anarchismus zu attestieren. Ein gewaltiger Satz, der wie eine Beweisführung aufgebaut ist, allerdings ohne Belege und Konkreta in den Höhen der Überheblichkeit erstarrt.

Meinen nächsten Fachbeitrag können Sie am 26. November 2025 lesen.

Lektorat Oliver Krull

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Urlaubshinweis

Mein Büro ist ab 15. September 2025 geschlossen. Ich werde Nordseewind atmen und bin mit erfrischten Zellen ab 22. September wieder für Sie und Ihre Projekte ansprechbar.

Meinen nächsten Fachbeitrag können Sie ab 16. Oktober 2025 lesen.

Kommen Sie gut in den Herbst!

Lektorat Oliver Krull

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Anschlüsse mit „als“, zweite Fortsetzung

16.08.2025. Fürs Sommerloch eine Spitzfindigkeit in Ergänzung zu meinem Beitrag im Mai: Anschlüsse mit „als“, Fortsetzung. In der Duden-Grammatik, Ausgabe 1973, steht zum Thema „Freie und konstitutive Attribute“ folgender Beispielsatz: „Ich schätze den Einfluss dieses Mannes als politischer Berater Nixons.“ Analyse dieses Satzes und Namenswahl sind zeittypisch. Da hier das Objekt als Bezugssubstantiv auf den als-Anschluss einwirke, sei die Angleichung „wohl nie der Regel gemäß“. In der Ausgabe von 2006 und mit dem Namen des nunmehr populärsten Mannes Amerikas ist die Angleichung „noch üblich“, sobald der Anschluss mit Artikel steht, z. B.: Die Presse hinterfragt den Einfluss dieses Mannes als des ersten politischen Beraters Donald Trumps.

In diesem Zusammenhang ist mir das lateinische Sprichwort „Caesar non supra grammaticos“ eingefallen. König Sigismund wollte beim Konzil von Konstanz (1414–1418) die Grammatik ändern, nachdem er das lateinische Wort „schisma“ fälschlich im femininen Genus hatte verwenden wollen. Damit hatte er keinen Erfolg. Umso bedenklicher die gegenwärtige Einflussnahme von Potentaten, gendergerechte Sprache rückgängig machen zu wollen.

Lektorat Oliver Krull

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Sommer 2025

18.07.2025. Allseits erholsame Sommertage wünsche ich! Denjenigen, die arbeiten wollen oder müssen, soll ihre Arbeit gelingen. Meinen Kund:innen und allen, die es werden wollen, weil sie mit dem Blick von außen ihr Getextetes sichern und nicht alles der KI überlassen möchten, stehe ich gern bis Anfang September zur Verfügung. Ein paar Tage Urlaub plane ich für die 38. Kalenderwoche ein.

Lektorat Oliver Krull

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Lange Sätze

16.06.2025. Es gibt lange Sätze, die über eine Buchseite hinausreichen, in juristischen Schriftsätzen nicht weniger als in philosophischen Schriften. Schon in der Antike kannte man Satzperioden, das heißt dem Wortsinne nach einen Umlauf, der erst dann abgeschlossen war, sobald das letzte Wort gesetzt war. Dies verweist schon auf den Unterschied zu bloßen Aneinanderreihungen – grob gesagt im Stile von „und dann stellte sich heraus, dass … und dann konnte …“ –, die leicht in Einzelsätze aufgelöst werden können.

In Perioden wird ein Gedankengang verfolgt. Cicero kommt einem in den Sinn, später Kant, unter den Literaten Thomas Mann und viele andere. Doch auch Frauen weben wunderbare Wortteppiche, zum Beispiel Gisela Elsner in einem Brief von 1986: „Der mörderischen, nihilistischen Anarchie des Imperialismus, der immer deutlicher einen dritten Weltkrieg anpeilt, setzen die außerparlamentarisch revoluzzernden, auf die schiefe Bahn geratenen Kleinbürgersöhne, Bürgersöhne, Künstler und Intellektuellen sowie die heimatlosen Linken, die bislang in einer nur minimalen Weise Kontakt zur Gewerkschaftsbewegung und zur Arbeiterklasse erreichen konnten und deshalb, einschließlich der kleinbürgerlich-pazifistischen Friedensbewegung, zur Erfolgslosigkeit determiniert sind, die gedanklichen Schwachstellen des Anarchismus entgegen.“

Diesen Wortteppich werde ich im Oktober-Beitrag in seine Einzelteile zerlegen, den Aufbau erklären und auf die Wortwahl eingehen.

Erfahrenen Lektoren und Lektorinnen ist das Zerlegen von Sätzen in Fleisch und Blut übergegangen, um rasch mögliche Schwachstellen erkennen und benennen zu können.

Lektorat Oliver Krull

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Anschlüsse mit „als“, Fortsetzung

16.05.2025. Die Kasusangleichung bei Anschlüssen mit „als“ oder „wie“ ist vor allem dann erforderlich, wenn ein flektiertes Wort, Artikel oder Adjektiv, vorausgeht. „Ihm als Assistent konnte diese schwierige Aufgabe nicht abverlangt werden.“ „Ihm“ weist eindeutig auf den Dativ hin; „als Assistent“ steht jedoch im Nominativ. Möglich ist diese Abweichung, weil dem Bezugswort „Assistent“ kein flektiertes Wort vorausgeht. Anders sähe es aus, wenn dem Bezugswort zum Beispiel das Adjektiv „neu“ vorangestellt wird: Ihm als neuem Assistenten konnte diese schwierige Aufgabe nicht abverlangt werden. Die Abweichung beim Bezugswort ohne flektiertes Wort ist möglich, aber nicht Pflicht, und in vielen Fällen ist die Kasusangleichung die elegantere Lösung: Ihm als Assistenten konnte … Weitere Besonderheiten zu diesem Thema bringe ich im August.

Lektorat Oliver Krull

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Schreiben, lesen, veröffentlichen

22.04.2025. In meinem Beitrag aus dem Vormonat ging es um einen falschen Fall nach einem Anschluss mit „als“. In der Alltagssprache, in Mitteilungen über soziale Netzwerke, in spontanen Veröffentlichungen fallen zunehmend inkorrekte oder unterschlagene Endungen auf, mit denen ein grammatikalischer Fall zum Beispiel nach einer Präposition markiert werden soll – wie nachfolgend:

Zwar wird Personalmangel nicht nur im Nah- und Fernverkehr beklagt sowie in den Redaktionen die knappe Zeit. Doch für das Grobe hilft vor dem Veröffentlichen oft ein nochmaliges Lesen – am besten mit lauter oder gedanklich lauter Stimme. So kann man auch mit geringerer Kapazität qualitativ hochwertig unterwegs sein.

Bei allen Fragen zum Kasusgebrauch und für seine stilsichere Einordnung in Ihre Mitteilung, Ihren Text sprechen Sie mich gern an.

Lektorat Oliver Krull