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Kommamaxxing

16.05.2026. Einige Leser:innen haben mir weitere Beispiele geschickt zu „-maxxing“ in meinem April-Beitrag. Eine Buchhändlerin nennt „booksmaxxing“. Das habe ein Kunde gesagt über sein Verhältnis zum Buch. Er habe das Wort als Zielsetzung verwendet: wieder bewusst lesen und nicht nur auf dem Smartphone swipen. Eine weitere Rückmeldung gab es mit „chaosmaxxing“ aus der Berliner Senatsverwaltung, weil hier die eine Hand nicht wisse, was die andere tut.

Gern komme ich dem Wunsch nach, den ebenfalls im April-Beitrag zitierten Satz unter die Lupe zu nehmen: „Für einen sicheren Betrieb, sind die technischen Voraussetzungen oft nicht, oder nicht vollständig, gegeben.“ Grammatik kann hier erklären, warum keine Kommata gesetzt werden sollten. „Für einen sicheren Betrieb“ ist eine adverbiale Bestimmung, die genauso gut in Binnenstellung gebracht werden kann: „Die technischen Voraussetzungen sind für einen sicheren Betrieb …“ Abgesehen davon, dass man weder in Front- noch in Binnenstellung eine Pause einlegt – oft der Indikator für ein Komma –, kann die Prädikatsphrase „sind gegeben“ nicht einfach von der für das Substantiv „Voraussetzungen“ näheren Erläuterung „für einen sicheren Betrieb“ abgetrennt werden. Kommen wir zu „oder“; das ist eine Konjunktion, also ein Bindewort, das schon von daher nicht von einem Komma gehindert sein will; es sei denn, ihm folgt ein vollständiger Satz. Allenfalls könnte man argumentieren, „oder nicht vollständig“ als besondere Hervorhebung zu betrachten; doch dann würde man sie wohl eher in Gedankenstriche stellen. Alles in allem: in diesem Satz kein Komma!

Ich freue mich auf Ihre Anfragen zu Satzzeichen, Grammatik, Rechtschreibung, Stil, Werbewirksamkeit, Faktentreue und KI-spurenfreie Texte.

Lektorat Oliver Krull