26.11.2025. Im Januar warten spannende Projekte auf mich. Vorher mache ich Urlaub, ab 1. Dezember 2025. Zwischen den Jahren kehre ich in mein Büro zurück und widme mich mit frischer Energie wieder Ihren Anfragen und Publikationsvorhaben.
Schon an dieser Stelle wünsche ich Ihnen von Herzen frohe Festtage und einen unbeschwerten Jahreswechsel! Damit die Zeit bis dahin nicht ohne sprachliche Herausforderung verstreicht, veröffentliche ich in Einverständnis mit dem Autor nachfolgenden Leserbrief. In seiner Reaktion auf meinen Blogbeitrag vom 16.10.2025 hat Jakob L. ebenfalls mit Begeisterung einen langen Satz analysiert. Es bereitet mir immer Freude, wenn Menschen ihre Sprache unter die Lupe nehmen und feststellen, auf welche Weise mehr oder weniger wichtige Inhalte transportiert werden. Jakob ist 27 Jahre alt und Röntgenassistent (MTR). Ein Fehler, der ihm bei der Satzanalyse unterlaufen ist, soll Sie inspirieren, mir die Ihrer Meinung nach korrekte Angabe zuzusenden.
Betreff: Ihr Elsner-Satz hat mich nicht losgelassen
Liebe Redaktion, lieber Herr Krull,
Ihr jüngster Blogbeitrag über den famos verschachtelten Elsner-Satz hat mich sofort gepackt. Ich gebe zu, ich mag solche syntaktischen Expeditionen, bei denen man beim Lesen das Gefühl bekommt, die Wörter bauen vor einem eine Art Klettersteig auf – und man hofft, oben angekommen noch zu wissen, wo man gestartet ist. Jedenfalls musste ich sofort an einen Satz denken, der mir diesen Sommer in einem Interview des Deutschlandfunks (2025) begegnet ist und mich seither nicht loslässt:
„Während die Bundesregierung, die nach den jüngsten energiepolitischen Turbulenzen und angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen bemüht ist, durch eine Kombination aus europäischen Abstimmungen, nationalen Strukturreformen und einer Reihe neuer Sicherheitsabkommen das Vertrauen sowohl der Industrie als auch der Partnerstaaten zurückzugewinnen, gleichzeitig jedoch von mehreren Koalitionsfraktionen gedrängt wird, die bisherigen Prioritäten in der Außen- und Haushaltspolitik grundlegend zu überdenken, wächst in der Öffentlichkeit die Sorge, dass trotz aller angekündigten Maßnahmen die notwendige Geschlossenheit für tragfähige Entscheidungen am Ende doch fehlen könnte.“
Angespornt durch Ihre Elsner-Analyse habe ich mich an einer eigenen kleinen Zerlegung versucht:
- Das einleitende „Während …“ eröffnet einen Nebensatz, der die politische Ausgangslage beschreibt.
- „Die Bundesregierung“ fungiert darin als Subjekt, erweitert durch einen Relativsatz, der ihre Lage näher bestimmt.
- Die Formulierung „durch eine Kombination aus … Sicherheitsabkommen“ lese ich als eine modal-zielgerichtete adverbiale Bestimmung, die den Charakter der Bemühungen erläutert.
- Der Abschnitt „gleichzeitig jedoch … überdenken“ scheint mir eine koordiniert eingeschobene Druck- bzw. Forderungsstruktur abzubilden, die ich bestimmt ebenfalls noch dem „Während“-Gefüge zurechnen würde.
- Und schließlich würde ich sagen, das Hauptprädikat des Gesamtsatzes sei „bemüht (ist)“, an das sich im Anschluss die Infinitivgruppe und der Rest der Aussage gliedern.
Ich habe also nicht alle Wortarten und Satzteile benannt, würde mich aber sehr freuen, wenn ich die Satzarchitektur an sich richtig verstanden habe. Falls nicht, wäre ich für Hinweise dankbar.
Mit schönen Grüßen
Jakob L.
An dieser Stelle gebe ich an meine Leserinnen und Leser ab. Jakob L. hat gute Arbeit geleistet; doch in einem Punkt hat er sich tatsächlich geirrt. Haben Sie Lust, sich Jakobs Analyse noch einmal näher anzusehen und mir bis 14.01.2026 den Irrtum mitzuteilen. In meinem Blog-Beitrag am 16.01.2026 werde ich darüber berichten.
Lektorat Oliver Krull
